Lüftung von Nichtwohngebäuden nach DIN EN 13779
Autor: Dr. -Ing. Thomas Hartmann

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Anwendung und Struktur der Norm
DIN EN 13779 gilt für Planung, Bau sowie Betrieb von Lüftungs- und Klimaanlagen in für den Aufenthalt von Menschen bestimmten Nichtwohngebäuden. Die Anwendung der Norm für Wohngebäude und für Gebäude mit freier Lüftung ist ausdrücklich ausgeschlossen. Wesentliche Abschnitte der Norm beschäftigen sich mit

  • Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern (Kapitel 5),
  • Festlegungen zum Raumklima (Kapitel 6),
  • Vereinbarungen über Auslegungskriterien (Kapitel 7),
  • Verfahren von Projektierung bis Betrieb (Kapitel 8) und
  • Richtlinien für fachgerechte Verfahrensweisen (Anhang A).

Kapitel 5: Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern
In Kapitel 5 der DIN 13779 werden Kategorien (Klassen) für die Luftqualität (bzw. Luftbelastung) für Abluft, Fortluft, Zuluft, Außenluft und Raumluft definiert. Von zentraler Bedeutung ist dabei die Raumluftqualität. Hier erfolgt zunächst eine allgemeine Beschreibung (Tabelle 1).

Tabelle 1: DIN EN 13779 - Allgemeine Klassierung der Raumluftqualität (RAL)
Kategorie Beschreibung
RAL 1 spezielle Raumluftqualität
RAL 2 hohe Raumluftqualität
RAL 3 mittlere Raumluftqualität
RAL 4 niedrige Raumluftqualität

In Abhängigkeit von den dominierenden Verunreinigungsquellen und unter Beachtung der Raumnutzung und der Nutzeranforderungen lassen sich die allgemeinen Klassen vorzugsweise quantifizieren anhand der

  • Kohlendioxid-Konzentration (in ppm),
  • empfundenen Luftqualität (in decipol),
  • personenbezogenen Luftvolumenströme (Tabelle 2),
  • bodenflächenbezogenen Luftvolumenströme oder
  • Konzentrationen bestimmter Verunreinigungen.
Tabelle 2:DIN EN 13779 - Klassierung der Raumluftqualität nach personenbezogenen Luftvolumenströmen
Kategorie Außenluftvolumenstrom je Person, in m³/(h*Person)
Nichtraucher-Bereich Raucher-Bereich
üblicher Bereich Standardwert üblicher Bereich Standardwert
RAL 1 > 54 72 >108 144
RAL 2 36 - 54 45 72 - 108 90
RAL 3 22 - 36 29 43 - 72 58
RAL 4 < 22 18 < 43 36

In Abhängigkeit vom Anlagenkonzept wird die Raumluftqualität maßgeblich von der Qualität der Zuluft (Unterscheidung in ZUL1 - Außenluftbetrieb und ZUL2 - Außen- und Umluftbetrieb) beeinflusst. Indirekt (über die Zuluft) im Raum wirksam werden auch die Qualität der Außenluft (Bewertung der Belastung mit Staub und gasförmigen Verunreinigungen) sowie im Umluftbetrieb auch die Qualität der Abluft (Bewertung der Emissionsquellen, z. B. Bauwerk oder Mensch).
Für die Lüftungs- und Klimaanlagen werden Klassen angegeben für

  • die Regelung (konstanter Betrieb, manuell, zeitgesteuert, bedarfsgeregelt),
  • den Funktionsumfang (Lüften, Heizen, Kühlen, Befeuchten, Entfeuchten),
  • die Druckverhältnisse im Raum (Unterdruck, balanciert, Überdruck) und
  • den Hilfsenergiebedarf (spezifische Ventilatorleistung SFP).

Die Festlegung der geforderten Raumluftklasse in Verbindung mit den maßgeblichen Luftverunreinigungen und Nutzeranforderungen sollte durch den Auftraggeber unter Beratung durch den Planer festgelegt werden und unbedingt Vertragsbestandteil für die Planung sein. Wichtig ist auch die exakte Definition der Umgebungsbedingungen (Außenluftqualität). Für übliche Büronutzungen wird Kategorie RAL 3 ein günstiges Verhältnis zwischen Anforderungen an die Raumluft und technischem / finanziellem Aufwand darstellen. Die Quantifizierung kann in Bürogebäuden bevorzugt anhand von personen- oder bodenflächenbezogenen Luftvolumenströmen oder alternativ mit der CO2-Konzentration erfolgen, Schadstoffemissionen aus der Büroausstattung (Möbel, Bodenbelege etc.) sollten allerdings minimiert sein.

Kapitel 6: Festlegungen zum Raumklima
Mit Lüftungs- und Klimaanlagen kann

  • das Raumklima,
  • die Raumluftqualität,
  • die Raumluftfeuchte und
  • die Akustik im Raum

unter Beachtung weiterer Einflüsse (z. B. Raumgröße, Beleuchtung oder Einrichtung) beeinflusst werden (Kapitel 6). DIN EN 13779 enthält detaillierte Festlegungen für die operative Temperatur (Tabelle 3), das Zugluftrisiko, die relative Raumluftfeuchte (30 bis 70%) und den A-bewerteten Schalldruckpegel (z. B. Standardwert für Klassenräume, kleine Büros, Konferenzräume: 35 dB(A)).

Tabelle 3: DIN EN 13779 - Auslegungswerte für die operative Temperatur in Bürogebäuden
Bedingungen üblicher Bereich Standardwert Auslegung
Winterbetrieb mit Heizung 19 bis 24°C 21°C *1
Sommerbetrieb mit Kühlung 36 - 54 26°C *2
*1 bei Auslegungsbedingungen im Winter, Mindesttemperatur am Tag
*2 bei Auslegungsbedingungen im Sommer, Höchsttemperatur am Tag

Für die Auslegung von Lüftungs- und Klimaanlagen ist die Definition von realistischen Wärmelasten erforderlich, DIN EN 13779 enthält dazu in Kapitel 6 Angaben zur Wärmeabgabe von Personen (abhängig von der Aktivität), der Beleuchtung (abhängig von der Beleuchtungsstärke) und von sonstigen Wärmequellen.

Anforderungen an das Raumklima sind nach DIN EN 13779 zwischen Auftraggeber und Planer (auch in Beratungsfunktion) soweit möglich als Vertragsbestandteil zu vereinbaren. Die Anlagen sind so auszulegen, dass die vereinbarten Anforderungen im Aufenthaltsbereich (in DIN EN 13779 definiert) erfüllt werden. Der Planer sollte dabei besonderes Augenmerk auf die sommerlichen Verhältnisse legen und dem Auftraggeber die Konsequenzen einer sommerlichen Höchsttemperatur von 26°C für die Anlagendimensionierung verdeutlichen.

Kapitel 7: Vereinbarungen über Auslegungskriterien
Durch die Projektbeteiligten (Auftraggeber, Planer, Architekt usw.) sind die Auslegungsbedingungen und Systemanforderungen projektspezifisch exakt zu vereinbaren. Dabei werden durch den Auftraggeber Anforderungen formuliert, durch den Planer ist auf die Konsequenzen aus besonderen Anforderungen hinzuweisen. In Kapitel 7 ist erläutert, welche Festlegungen zu treffen sind, es wird untergliedert in:

  • allgemeine Gebäudeeigenschaften (Lage, Außenbedingungen, Umgebung, Klima, Nutzung des Gebäudes),
  • Konstruktionsdaten, geometrische Beschreibung,
  • Raumnutzung (Personenbelegung, innere Wärmelasten, Verunreinigungs- und Feuchtigkeitsquellen, Vorgaben Abluftvolumenstrom)
  • Raumanforderungen (Regelung, thermische und hygrische Bedingungen, Luftqualität, Luftgeschwindigkeit, Schalldruckpegel, Beleuchtung),
  • allgemeine Anforderungen an Regelung und Überwachung sowie
  • allgemeine Anforderungen an Instandhaltung und Betriebssicherheit.

Kapitel 8: Verfahren von Projektierung bis Betrieb
Die Vorgehensweise von Projektbeginn bis zur Aufnahme des normalen Betriebes lässt sich nach DIN EN 13779 mit folgenden Schritten kennzeichnen:

1. Beginn des Projektes
2. Festlegung der Auslegungsbedingungen und Anforderungen
3. Überprüfung mit amtlichen Stellen und hinsichtlich geltender Vorschriften
4. Planung
5. Installation
6. Überprüfung der Installation
7. Betriebsbeginn, Funktionsprüfung, Einregulierung, Erstellen Prüfberichte
8. Erklärung an Auftraggeber über Abschluss der Installation
9. gemeinsame Vollständigkeitsprüfung, Funktionsprüfungen und -messungen, besondere Messungen nach DIN EN 12599
10. Übergabe der Anlage und der Dokumentation mit Anweisungen bzgl. Betrieb und Instandhaltung an Auftraggeber
11. Betrieb und Instandhaltung

Für den geeigneten Betrieb und die angemessene Instandhaltung werden die Erstellung und Benutzung eines Pflichtenheftes sowie die Überwachung des Energieverbrauchs (z. B. durch Energiebuchhaltung) empfohlen.

Anhang A: Richtlinein für fachgerechte Verfahrensweisen
Im informativen Anhang A werden für den Planer Hinweise zu einzelnen Aspekten bei der Auslegung und diesbezüglich weiterführenden Normen gegeben. Im Anhang A sind u. a. behandelt:

  • Luftdurchlässe (Anordnung, Ausführung, Abstände),
  • Luftfilter (Filterklassen, Filterwechsel),
  • Wärmerückgewinnung (Dichtheit, Druckverhältnisse),
  • Wärmedämmung und Luftdichtheit der Anlage,
  • Leistungsverbrauch (spezifische Ventilatorleistung SFP, Druckverluste) und
  • räumliche Anforderungen (Luftaufbereitung, Verteilung).

Konsequenzen für Planer
Die europäische Norm DIN EN 13779 "Lüftung von Nichtwohngebäuden - Allgemeine Grundlagen und Anforderungen an Lüftungs- und Klimaanlagen" ist in der deutschen Fassung im Mai 2005 erschienen und ersetzt DIN 1946-2. DIN EN 13779 beschreibt den Stand der Technik und ist damit im Zusammenwirken mit der Arbeitsstättenverordnung von zentraler Bedeutung bei der Planung von Lüftungs- und Klimaanlagen für Nichtwohngebäude.

Die Norm kennzeichnet für Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden die Vorgehensweise von Projektbeginn bis zur Aufnahme des normalen Betriebes (Kapitel 8) und legt fest, welche Auslegungsbedingungen und Systemanforderungen projektspezifisch durch Auftraggeber und Planer - soweit möglich als Vertragsbestandteil - zu vereinbaren sind (Kapitel 7).

Die Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern (Kapitel 5) und Hinweise zu Festlegungen zum Raumklima (Kapitel 6) ermöglichen bereits bei Projektbeginn eine detaillierte Abstimmung zwischen Auftraggeber und Planer hinsichtlich der Anforderungen an die Lüftungs- bzw. Klimaanlage einschließlich einer Kostenbewertung bei unterschiedlicher Anlagenausführung. DIN EN 13779 kann bei konsequenter Anwendung durch den Planer zur Planungssicherheit beitragen und kostenintensive Mängelbeseitigung vermeiden helfen.


Dr. -Ing. Thomas Hartmann
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