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Anwendung und Struktur der
Norm
DIN EN 13779 gilt für Planung, Bau sowie Betrieb
von Lüftungs- und Klimaanlagen in für den Aufenthalt von Menschen
bestimmten Nichtwohngebäuden. Die Anwendung der Norm für Wohngebäude
und für Gebäude mit freier Lüftung ist ausdrücklich
ausgeschlossen. Wesentliche Abschnitte der Norm beschäftigen sich
mit
- Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern (Kapitel
5),
- Festlegungen zum Raumklima (Kapitel 6),
- Vereinbarungen über Auslegungskriterien (Kapitel
7),
- Verfahren von Projektierung bis Betrieb (Kapitel 8)
und
- Richtlinien für fachgerechte Verfahrensweisen
(Anhang A).
Kapitel 5: Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern
In Kapitel 5 der DIN 13779 werden Kategorien (Klassen)
für die Luftqualität (bzw. Luftbelastung) für Abluft,
Fortluft, Zuluft, Außenluft und Raumluft definiert. Von zentraler
Bedeutung ist dabei die Raumluftqualität. Hier erfolgt zunächst
eine allgemeine Beschreibung (Tabelle 1).
Tabelle 1: DIN EN 13779 - Allgemeine Klassierung
der Raumluftqualität (RAL)
| Kategorie |
Beschreibung |
| RAL 1 |
spezielle Raumluftqualität |
| RAL 2 |
hohe Raumluftqualität |
| RAL 3 |
mittlere Raumluftqualität |
| RAL 4 |
niedrige Raumluftqualität |
In Abhängigkeit von den dominierenden Verunreinigungsquellen
und unter Beachtung der Raumnutzung und der Nutzeranforderungen lassen
sich die allgemeinen Klassen vorzugsweise quantifizieren anhand der
- Kohlendioxid-Konzentration (in ppm),
- empfundenen Luftqualität (in decipol),
- personenbezogenen Luftvolumenströme (Tabelle
2),
- bodenflächenbezogenen Luftvolumenströme
oder
- Konzentrationen bestimmter Verunreinigungen.
Tabelle 2:DIN EN 13779 - Klassierung der Raumluftqualität
nach personenbezogenen Luftvolumenströmen
| Kategorie |
Außenluftvolumenstrom je Person,
in m³/(h*Person) |
| Nichtraucher-Bereich |
Raucher-Bereich |
| üblicher Bereich |
Standardwert |
üblicher Bereich |
Standardwert |
| RAL 1 |
> 54 |
72 |
>108 |
144 |
| RAL 2 |
36 - 54 |
45 |
72 - 108 |
90 |
| RAL 3 |
22 - 36 |
29 |
43 - 72 |
58 |
| RAL 4 |
< 22 |
18 |
< 43 |
36 |
In Abhängigkeit vom Anlagenkonzept wird die Raumluftqualität
maßgeblich von der Qualität der Zuluft (Unterscheidung in
ZUL1 - Außenluftbetrieb und ZUL2 - Außen- und Umluftbetrieb)
beeinflusst. Indirekt (über die Zuluft) im Raum wirksam werden
auch die Qualität der Außenluft (Bewertung der Belastung
mit Staub und gasförmigen Verunreinigungen) sowie im Umluftbetrieb
auch die Qualität der Abluft (Bewertung der Emissionsquellen, z.
B. Bauwerk oder Mensch).
Für die Lüftungs- und Klimaanlagen werden Klassen angegeben
für
- die Regelung (konstanter Betrieb, manuell, zeitgesteuert,
bedarfsgeregelt),
- den Funktionsumfang (Lüften, Heizen, Kühlen,
Befeuchten, Entfeuchten),
- die Druckverhältnisse im Raum (Unterdruck, balanciert,
Überdruck) und
- den Hilfsenergiebedarf (spezifische Ventilatorleistung
SFP).
Die Festlegung der geforderten Raumluftklasse in
Verbindung mit den maßgeblichen Luftverunreinigungen und Nutzeranforderungen
sollte durch den Auftraggeber unter Beratung durch den Planer festgelegt
werden und unbedingt Vertragsbestandteil für die Planung sein.
Wichtig ist auch die exakte Definition der Umgebungsbedingungen (Außenluftqualität).
Für übliche Büronutzungen wird Kategorie RAL 3 ein günstiges
Verhältnis zwischen Anforderungen an die Raumluft und technischem
/ finanziellem Aufwand darstellen. Die Quantifizierung kann in Bürogebäuden
bevorzugt anhand von personen- oder bodenflächenbezogenen Luftvolumenströmen
oder alternativ mit der CO2-Konzentration erfolgen, Schadstoffemissionen
aus der Büroausstattung (Möbel, Bodenbelege etc.) sollten
allerdings minimiert sein.
Kapitel 6: Festlegungen zum Raumklima
Mit Lüftungs- und Klimaanlagen kann
- das Raumklima,
- die Raumluftqualität,
- die Raumluftfeuchte und
- die Akustik im Raum
unter Beachtung weiterer Einflüsse (z. B. Raumgröße,
Beleuchtung oder Einrichtung) beeinflusst werden (Kapitel 6). DIN EN
13779 enthält detaillierte Festlegungen für die operative
Temperatur (Tabelle 3), das Zugluftrisiko, die relative Raumluftfeuchte
(30 bis 70%) und den A-bewerteten Schalldruckpegel (z. B. Standardwert
für Klassenräume, kleine Büros, Konferenzräume:
35 dB(A)).
Tabelle 3: DIN EN 13779 - Auslegungswerte für
die operative Temperatur in Bürogebäuden
| Bedingungen |
üblicher Bereich |
Standardwert Auslegung |
| Winterbetrieb mit Heizung |
19 bis 24°C |
21°C *1 |
| Sommerbetrieb mit Kühlung |
36 - 54 |
26°C *2 |
*1 bei Auslegungsbedingungen im Winter,
Mindesttemperatur am Tag
*2 bei Auslegungsbedingungen im Sommer, Höchsttemperatur am
Tag |
Für die Auslegung von Lüftungs- und Klimaanlagen
ist die Definition von realistischen Wärmelasten erforderlich,
DIN EN 13779 enthält dazu in Kapitel 6 Angaben zur Wärmeabgabe
von Personen (abhängig von der Aktivität), der Beleuchtung
(abhängig von der Beleuchtungsstärke) und von sonstigen Wärmequellen.
Anforderungen an das Raumklima sind nach DIN EN 13779
zwischen Auftraggeber und Planer (auch in Beratungsfunktion) soweit
möglich als Vertragsbestandteil zu vereinbaren. Die Anlagen sind
so auszulegen, dass die vereinbarten Anforderungen im Aufenthaltsbereich
(in DIN EN 13779 definiert) erfüllt werden. Der Planer sollte dabei
besonderes Augenmerk auf die sommerlichen Verhältnisse legen und
dem Auftraggeber die Konsequenzen einer sommerlichen Höchsttemperatur
von 26°C für die Anlagendimensionierung verdeutlichen.
Kapitel 7: Vereinbarungen über Auslegungskriterien
Durch die Projektbeteiligten (Auftraggeber, Planer,
Architekt usw.) sind die Auslegungsbedingungen und Systemanforderungen
projektspezifisch exakt zu vereinbaren. Dabei werden durch den Auftraggeber
Anforderungen formuliert, durch den Planer ist auf die Konsequenzen
aus besonderen Anforderungen hinzuweisen. In Kapitel 7 ist erläutert,
welche Festlegungen zu treffen sind, es wird untergliedert in:
- allgemeine Gebäudeeigenschaften (Lage,
Außenbedingungen, Umgebung, Klima, Nutzung des Gebäudes),
- Konstruktionsdaten, geometrische Beschreibung,
- Raumnutzung (Personenbelegung, innere Wärmelasten,
Verunreinigungs- und Feuchtigkeitsquellen, Vorgaben Abluftvolumenstrom)
- Raumanforderungen (Regelung, thermische und
hygrische Bedingungen, Luftqualität, Luftgeschwindigkeit, Schalldruckpegel,
Beleuchtung),
- allgemeine Anforderungen an Regelung und Überwachung
sowie
- allgemeine Anforderungen an Instandhaltung und
Betriebssicherheit.
Kapitel 8: Verfahren von Projektierung bis
Betrieb
Die Vorgehensweise von Projektbeginn bis zur Aufnahme
des normalen Betriebes lässt sich nach DIN EN 13779 mit folgenden
Schritten kennzeichnen:
1. Beginn des Projektes
2. Festlegung der Auslegungsbedingungen und Anforderungen
3. Überprüfung mit amtlichen Stellen und hinsichtlich geltender
Vorschriften
4. Planung
5. Installation
6. Überprüfung der Installation
7. Betriebsbeginn, Funktionsprüfung, Einregulierung, Erstellen
Prüfberichte
8. Erklärung an Auftraggeber über Abschluss der Installation
9. gemeinsame Vollständigkeitsprüfung, Funktionsprüfungen
und -messungen, besondere Messungen nach DIN EN 12599
10. Übergabe der Anlage und der Dokumentation mit Anweisungen
bzgl. Betrieb und Instandhaltung an Auftraggeber
11. Betrieb und Instandhaltung
Für den geeigneten Betrieb und die angemessene
Instandhaltung werden die Erstellung und Benutzung eines Pflichtenheftes
sowie die Überwachung des Energieverbrauchs (z. B. durch Energiebuchhaltung)
empfohlen.
Anhang A: Richtlinein für fachgerechte
Verfahrensweisen
Im informativen Anhang A werden für den Planer
Hinweise zu einzelnen Aspekten bei der Auslegung und diesbezüglich
weiterführenden Normen gegeben. Im Anhang A sind u. a. behandelt:
- Luftdurchlässe (Anordnung, Ausführung,
Abstände),
- Luftfilter (Filterklassen, Filterwechsel),
- Wärmerückgewinnung (Dichtheit, Druckverhältnisse),
- Wärmedämmung und Luftdichtheit der
Anlage,
- Leistungsverbrauch (spezifische Ventilatorleistung
SFP, Druckverluste) und
- räumliche Anforderungen (Luftaufbereitung,
Verteilung).
Konsequenzen für Planer
Die europäische Norm DIN EN 13779 "Lüftung
von Nichtwohngebäuden - Allgemeine Grundlagen und Anforderungen
an Lüftungs- und Klimaanlagen" ist in der deutschen Fassung
im Mai 2005 erschienen und ersetzt DIN 1946-2. DIN EN 13779 beschreibt
den Stand der Technik und ist damit im Zusammenwirken mit der Arbeitsstättenverordnung
von zentraler Bedeutung bei der Planung von Lüftungs- und Klimaanlagen
für Nichtwohngebäude.
Die Norm kennzeichnet für Lüftungs- und Klimaanlagen in Nichtwohngebäuden
die Vorgehensweise von Projektbeginn bis zur Aufnahme des normalen Betriebes
(Kapitel 8) und legt fest, welche Auslegungsbedingungen und Systemanforderungen
projektspezifisch durch Auftraggeber und Planer - soweit möglich
als Vertragsbestandteil - zu vereinbaren sind (Kapitel 7).
Die Klassierung von Luftarten und Anlagenparametern (Kapitel 5) und
Hinweise zu Festlegungen zum Raumklima (Kapitel 6) ermöglichen
bereits bei Projektbeginn eine detaillierte Abstimmung zwischen Auftraggeber
und Planer hinsichtlich der Anforderungen an die Lüftungs- bzw.
Klimaanlage einschließlich einer Kostenbewertung bei unterschiedlicher
Anlagenausführung. DIN EN 13779 kann bei konsequenter Anwendung
durch den Planer zur Planungssicherheit beitragen und kostenintensive
Mängelbeseitigung vermeiden helfen.
Dr. -Ing. Thomas Hartmann
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