Dipl.-Ing. Norbert Nadler
Neue "Brainpower" im CATS-Team

 

Dipl.-Ing. Norbert Nadler ist ein Fachspezialist mit Wurzeln in der Praxis!

Denn am Anfang seiner beruflichen Laufbahn stand eine Lehre als Rohrinstallateur für sanitäre Anlagen, gefolgt von Jahren in der Bauleitung und Planung.
Mit dem Studium der Versorgungstechnik an der TFH Berlin sowie der Energie- und Verfahrenstechnik an der TU Berlin verlagerte sich sein Schwerpunkt hin zu Wissenschaft und Entwicklung.

Von seinen umfangreichen Spezialkenntnissen und Kompetenzen werden die zukünftigen C.A.T.S. Berechnungsprogramme erheblich profitieren. Das folgende Interview verrät nicht nur ein wenig über die kommenden Innovationen zum Nutzen der C.A.T.S. Anwender, sondern ist auch ein Plädoyer für die unmittelbare Praxisnähe von TGA-Software.


Die wichtigsten Stationen von Norbert Nadlers beruflichem Werdegang: Wissenschaftlicher Angestellter am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin, Geschäftsführer im Wärmetechnischen Institut Prof. Dr.-Ing. Zöllner GmbH/Berlin, Lehrbeauftragter für Heiz- und Klimatechnik an der TFH Berlin, Leiter der "Entwicklung Systemtechnik" in der Firma KLIMASYSTEMTECHNIK Esdorn Jahn GmbH, Mitentwickler des EDV-Verfahrens der VDI 2078 aktuelle Fassung.

Welche Ziele haben Sie sich für die Entwicklung von C.A.T.S. Software gesteckt?

Ich möchte das Zusammenspiel der TGA-Berechnungsprogramme mit den praktischen Anforderungen aus dem Alltag optimieren. Anhand der Analyse einiger Mitbewerber-Programme und aus Gesprächen mit Berufskollegen ist der Eindruck entstanden, dass an der Entwicklung bestimmter Programme kein TGA-Fachmann beteiligt war. Diesen Eindruck gewinnt man, wenn zum Beispiel ein Rohrnetzprogramm den Begriff "Teilstrecke" nicht kennt. Ich versichere, dass durch meine theoretischen Kenntnisse sowie meine praktischen Erfahrungen Softwareprogramme entstehen werden, die nicht nur den Bedürfnissen der TGA-Planung entsprechen, sondern auch Anregungen zu und Hinweise auf besondere Problemstellungen geben.

Mit meiner Mitarbeit bei dem derzeit bereits sehr erfolgreichen C.A.T.S. Entwicklungsteam werden wir dem Anwender Möglichkeiten der Berechnungen anbieten, die über die Norm hinausgeht. Hier sei zum Beispiel die Berechnung der Lüftungsheizlast für Schachttypgebäude bei einem Heizlastprogramm nach DIN EN 12831 genannt oder die Ermittlung des g-Wertes bei beliebigen Kombinationen von transparenten Bauteilen. Manchmal liefert eine DIN bzw. eine VDI-Richtlinie zu wenig Anhaltswerte oder sogar sehr fragliche Ergebnisse, wie zum Beispiel bei der Aufheizleistung in der oben genannten Heizlast-Norm. Das Ziel meiner Tätigkeit bei C.A.T.S. Software ist es, durch die Programme dem Anwender bessere Hilfestellungen als die zugehörige DIN selbst und bessere (ausführlichere) Erläuterungen zu einigen Begriffen zu geben oder sogar auf bessere Berechnungsmethoden hinzuweisen. Dabei werden sich Erklärungen und Bezeichnungen an der Fachsprache der TGA orientieren.

Trotz der notwendigen Kompetenz, die C.A.T.S. Software hierfür mitbringen muss, darf die Ausübung des Sachverstandes des TGA-Planers nicht eingeschränkt werden. Eines der wichtigsten Aufgaben für zukünftige Berechnungsprogramme sehe ich überdies in der Überprüfbarkeit der Ergebnisse. Hierzu müssen wir mehr Zwischenergebnisse ausgeben und flexiblere Eingaben ermöglichen.

 

Wie weit konnten diese Ziele bereits verwirklicht werden?

Der von mir entwickelte Rechenkern zur Kühllastberechnung gem. VDI 2078 wird in den nächsten Monaten in den C.A.T.S.-Navigator integriert und erhält damit eine anwenderfreundliche Windows-Oberfläche. In diesem Programm nach dem korrigierten EDV-Verfahren wurde die Überprüfbarkeit sehr durchdacht und in der Durchführung vereinfacht. Es können zum Beispiel einzelne Belastungsarten einzeln ausgeschaltet werden, ohne dass die bereits eingegebenen Werte verändert oder gelöscht werden müssen. Weiterhin werden Zwischenergebnisse ausgegeben, die von Hand nachrechenbar sind. So zum Beispiel die Aktionsgrößen, die einen wesentlich höheren Informationsgehalt haben als die Teil-Reaktionskühllasten. Die mir bekannten Kühllastprogramme geben nur die Teil-Reaktionskühllasten aus, deren Definition noch nicht einmal eindeutig ist. Durch diese Möglichkeiten dürfte das Programm auch sehr gut für die Lehre geeignet sein.

Insbesondere sollte auch der Eingabeaufwand durch ausgereifte Konzepte der Gebäudesimulation stark verringert werden.

 

Welche besonderen Herausforderungen brachte die Aufgabe mit sich?

Die besondere Herausforderung bei derartigen Programmen ist die Organisation der Datenein- und ausgabe. Hiermit verbunden ist die Festlegung der internen Datenstruktur. Fragen sind zum Beispiel: Zu welchem Zeitpunkt im Berechnungsablauf werden welche Daten benötigt oder welche Zwischenwerte sind für die Ergebnisauswertung festzuhalten?
Bei der letzten Frage ist wiederum technischer Sachverstand erforderlich, um beurteilen zu können, welche Daten für den weiteren Planungsablauf benötigt werden. Z.B. sind sämtliche Kühllastergebnisse aller durchgerechneten Monatstage notwendig, um in jeder Teilstrecke einer RLT-Anlage die Volumenstromermittlung vorzunehmen. Gemäß VDI 2078 ist nur die Gebäudekühllast durch zeitgleiche Überlagerung der Raumkühllasten zu ermitteln. Hier muss man weiterdenken und dem Planer entsprechende Lösungen anbieten.

 

Wie kam die "Symbiose" von Software-Entwicklung und TGA in Ihrem Berufsleben zustande?

Durch meine Forschungsarbeit am Hermann-Rietschel-Institut der TU Berlin, erst als studentische Hilfskraft, dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Obwohl ich auch experimentell arbeitete, galt ich dort als so genannter "Digi". Über Programme zur Auswertung von Messdaten und Simulationsprogramme kam ich zur EDV. Ich betrachtete schon immer Messungen nur als Verifikation der Simulation.

 

Ab wann haben Sie sich auf Berechnungsprogramme spezialisiert?

Ab 1977 erlernte ich im Studium die Programmiersprache Fortran und verschiedene Basic-Dialekte. Zunächst arbeitete ich an Großrechnern, was sehr hinderlich war (Lochkarten, viele Ausfälle, Abhängigkeit vom Operator usw.). 1982 dann der erste PC. Durch meine Mitarbeit an der DIN 4701 konnte ich auf diesem PC schon damals Hilfsprogramme für eine Wärmebedarfsberechnung entwickeln. Weiterhin entwickelte ich Programme zur Wasserdampfdiffusion durch Wände, äquivalente Temperaturdifferenzen, Berechnung von Einrohrheizungen usw., welche ich im Rahmen von Nebentätigkeiten benötigte.

Am Wärmetechnischen Institut Berlin leitete ich dann ein Software-Projekt zur Heizkörper-Identifikation für die Heizkostenverteiler-Branche. Dabei sollte anhand geometrischer Merkmale Hersteller und Leistung eines Heizkörpers in einer Datenbank gefunden werden. In dieser Zeit erlernte ich nach nunmehr 10-15 Programmiersprachen (einschließlich Dialekte) die Sprache C und später C++.

Über meine Vorlesungen an der TFH Berlin als Gastdozent - u.a. für die Kühllastberechnung nach VDI 2078 - kam ich zum Ing.-Büro Klimasystemtechnik Esdorn Jahn. Anlässlich einer Anfrage an Herrn Dr. Jahn über die VDI 2078 wurde ich gefragt, ob ich nicht die Weiterentwicklung des EDV-Verfahrens übernehmen möchte.

 

Ist es für Sie eine spannende Aufgabe, eine Software mitzugestalten?

Auf jeden Fall. Vor allem, wenn man bedenkt, welche volkswirtschaftliche Verantwortung in der Software liegt. Durch die Vervielfachung der Anwendung können Fehlinterpretationen zu Fehlern und erheblicher Mehrarbeit führen. Ebenso können unsinnige Eingabekonzepte die Planungsarbeit verteuern.

Daneben planen wir gemeinsame Seminare und Schulungen, wo wir Kunden oder Interessenten die Anwendung unserer Programme näher bringen wollen.

Die Erstellung von Software entsprach schon immer meiner Neigung. Jedoch bin ich davon überzeugt, dass ein Praxisbezug durch Kontakte, Weiterbildung und teilweiser eigener Planungstätigkeit unumgänglich ist.

 

Können Sie uns schon mehr über Ihr nächstes Projekt bei C.A.T.S. verraten?

Es gibt noch ein Gebiet, welches zur thermischen Bauphysik gehört und damit meinem Interessenbereich sehr nahe kommt. Dieses Gebiet umfasst die EnEV-Berechnungsnormen und zukünftig die DIN EN 18599. Als Vor-Ort-Energieberater komme ich hier von der Anwenderseite, habe aber die Absicht, mich auch theoretisch mit den Algorithmen zu befassen. Es ist daher naheliegend, bei der Entwicklung einer entsprechenden Software mitzuwirken.

Dipl.-Ing. Norbert Nadler
Arnstädter Str. 7, 16515 Oranienburg
Tel. : (03301) 579 39-0
Fax : (03301) 579 39-1
www.cse-nadler.de

Zum Artikel "Zur Anlaufrechnung bei der Kühllastberechnung nach dem EDV-Verfahren der VDI 2078"

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