Projektbericht:
National Convention Center, SR Vietnam:
"Perfekte Haustechnik für die politische Elite
im fernen Hanoi" von der Inros Lackner AG, Rostock

Die Sozialistische Republik Vietnam war Gastgeber der APEC 2006 (Asia-Pacific Economic Cooperation), welche ihren Höhepunkt mit dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedsstaaten u. a. von China, Russland und den USA vom 15. bis 18. November 2006 feierte. Für diesen Anlass wurde ein neues Konferenzzentrum gebaut. Für die komplette Planung des Projektes hat das Ministerium für Bau der Sozialistischen Republik Vietnam die ARGE gmp/Inros Lackner AG beauftragt. Für die Architektur verantwortlich ist gmp. Der Planungsumfang der Inros Lackner AG umfasst die Infrastruktur, Ver- und Entsorgungseinrichtungen, die Tragwerksplanung sowie die Haustechnik und Elektrotechnik.


National Convention Center
Das National Convention Center, kurz NCC, ist das zentrale Gebäude auf einem neu zu gestaltenden 64 ha großen Arial. Eingebettet in eine parkähnliche Landschaft werden ein Museum und ein Hotel das Konferenzzentrum flankieren. Für das Museum und das Hotel wurden bzw. werden separate Wettbewerbe ausgelobt. Die Arbeitsgemeinschaft gmp/Inros Lackner AG hat beim Wettbewerb für das Museum den 1. Preis erzielt.

Das Projekt NCC in Zahlen

Das NCC bietet eine Nutzfläche von 60.000m² bei einer Länge von ca. 220 m, einer Breite von 135m und einer Höhe von 55m. Das NCC ist multifunktionell geplant und bietet passende Räumlichkeiten für unterschiedlichste Veranstaltungen z.B. Konferenzen, Messen, Meetings, Opern oder Konzerte. Für die Hauptnutzung wurde eine theaterähnliche "Main Meeting Hall" mit bis zu 3.900 Sitzplätzen geschaffen. Durch die zurzeit weltgrößte mobile Trennwand kann ein 1.000 Sitzplätze fassender Teil abgetrennt werden. Somit sind 2 Meetings bzw. Konferenzen gleichzeitig durchführbar. Die Räumlichkeiten sind mit modernster Bühnen-, Beleuchtungs-, Multimedia-, Konferenz- und Klimatechnik ausgestattet. Die Sicherheits- und Brandschutztechnik genügt sowohl vietnamesischen als auch deutschen Normen und Richtlinien.

Ncc, Mainhall


NCC, Innenbereich
Des weiteren befinden sich im Gebäude mehrere Tagungsräume für 200 - 500 Personen, ein Bankettsaal für 1.500 Personen, ein internationaler Konferenzraum mit ca. 400 Sitzplätzen, ein internationales Handelszentrum, Presse- und Kommunikationseinrichtungen, Ausstellungsräume, Shops, Gastronomie und andere Serviceeinrichtungen. Vor dem NCC befinden sich unter dem Fountain Square die ca. 15.000 m² große Tiefgarage, die auf 1158 Pfählen steht. Diese Pfähle wiederum gehen 41 Meter tief ins Erdreich.

Technische Details und Herausforderungen

Hochkomplexe Gebäude wie das NCC in subtropischen Klimazonen stellen höchste Anforderungen an die Gebäudetechnischen Anlagen. Erfahrungswerte, die für Mittel- und Nordeuropa zutreffend sind, gelten dort nicht.

Für das NCC wurde eine Kälteleistung von ca. 16 MW installiert. Diese wird durch 24 Kompaktkältemaschinen erzeugt. Über eine unterirdische DN 700 Hauptleitung wird das Kaltwasser in das Gebäude transportiert und über 5 Kälteverteiler im Gebäude verteilt. Mittels 83 Klimaanlagen werden insgesamt 900.000m³/h Luft, davon 292.000m² Umluft für die Klimatisierung der Nutzungsbereiche bereitgestellt. Die Entrauchungsanlagen arbeiten mit einem Luftvolumenstrom von 1.100.000 m³.


NCC, Blick auf die Zentrale

Die Wärmeversorgung spielt in Vietnam eine untergeordnete Rolle. Auch wenn die Temperaturen in Nordvietnam im Januar schon mal auf 10°C fallen, werden Heizungssysteme in den seltensten Fällen vorgesehen. Aus diesem Grunde orientiert sich der Wärmebedarf in erster Linie am Verbrauch der Sommermonate, d. h. für die Klimaanlagen und die Warmwassererzeugung. Im NCC erzeugen 2 Erdwärmepumpen zusammen ca. 1,5 MW Wärme und feiern damit als erste Erdwärmepumpen in Vietnam Premiere.

Der Bedarf an Elektroenergie beträgt ca. 12 MW. Die Einspeisung erfolgt mittelspannungsseitig von 2 Umspannwerken aus, um eine hohe Versorgungssicherheit zu garantieren. Außerdem wurde eine Photovoltaikanlage mit 150 KW Leistung in der parkähnlichen Landschaft um das NCC errichtet. Es ist nicht Vietnams erste, aber die leistungsstärkste Solaranlage.

Des Weiteren wurde eine Trinkwasseraufbereitungsanlage mit einer Kapazität von ca. 750 m³ pro Tag sowie eine Abwasseraufbereitungsanlage für 6000 Personen/Tag geplant und gebaut.

Eine besondere Planungsaufgabe bestand darin, das NCC als autarke Einheit betreiben zu können. Bei einem Ausfall der städtischen Ver- und Entsorgungseinrichtungen kann das NCC ohne Einschränkungen in der Funktionalität weiterbetrieben werden. Dafür wurden ein ca. 2.000 m³ fassender unterirdischer Brauchwasservorratstank sowie 4 Backup - Dieselgeneratoren mit einer Leistung von jeweils 2 MW installiert. Im Backup Betrieb sind lediglich kleine Einbußen im Komfort, und das auch nur an sehr heißen Sommertagen, hinzunehmen. Hier werden nur 12 der 24 Kältemaschinen betrieben. Deshalb werden die Bereiche im Gebäude, die nicht unmittelbar der Veranstaltung dienen, im Backup - Betrieb nicht voll klimatisiert.

Aufgrund der anspruchvollen Architektur mit ihrem wellenförmigen Dach und vielen Rundungen gestaltete sich auch die Planung der haustechnischen Anlagen sehr aufwändig und kompliziert. Berücksichtigt man die extrem kurze Planungs- und Realisierungszeit des Projektes, so erhöhen sich die Planungsanforderungen nochmals. Von der Fertigstellung des basic-design bis zur Nutzung vergingen nur 26 Monate, die reine Bauzeit betrug nur 22 Monate.

3D - Planung JA oder NEIN?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Das Planungsteam der Inros Lackner AG entscheidet über den Einsatz der 3D-Planung mit C.A.T.S. Software in Abhängigkeit von der gestellten Planungsaufgabe, der Planungsphase und der zu bearbeitenden Gewerke.

Die 3D-Planung stellt bei der Koordinierung zwischen den verschiedenen technischen Gewerken unter Berücksichtigung der architektonischen Gegebenheiten ein ausgezeichnetes Hilfsmittel dar.

Gerade bei einem internationalen Projekt trägt in der Bauphase die konsequente Planung der Technikzentralen in 3D enorm zu einer reibungslosen Kommunikation mit den Planungspartnern, Subunternehmern sowie den ausführenden Firmen bei. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Im Zweifelsfall ist eine gute, selbst erklärende Konstruktionszeichnung immer einfacher zu handhaben als viele Koordinierungsrunden. Dies zeigt sich gerade bei Projekten wie dem NCC, bei dem Vietnamesen, Chinesen, Franzosen, Koreaner, Japaner, Australier, Dänen, Niederländer, Thailänder und Deutsche unmissverständlich miteinander kommunizieren mußten.

  Zentrale

Zentrale

  Unserer Erfahrung nach bringen 3D-Planungen gerade bei optimierter Nutzung beengter Platzverhältnisse sowie bei komplizierten Kubaturen entscheidende Vorteile. Die Kommunikation mit Architekt und Bauherr wird durch die Anschaulichkeit von 3D-Darstellungen wesentlich erleichtert. Besonders gute Erfahrungen haben wir u.a. bei der Planung der Technikzentralen gemacht. Wir setzen daher z.B. ab der Entwurfsplanung des Gewerkes Lüftung konsequent auf 3D.

Fazit

Die Haustechnikabteilung der Inros Lackner AG verwendet die C.A.T.S. Software Module seit vielen Jahren. Die Erfahrungen, die seit der Einführung dieser Software im Unternehmen gesammelt werden, teilen unsere Konstrukteure regelmäßig den Entwicklern von C.A.T.S. Software mit.
Besonders bei der Koordination der unterschiedlichen Gewerke sowie bei der Planung von hoch installierten Bereichen wie z.B. Technikzentralen bietet die 3D-Software enorme Vorteile. Diese kommen auch während der Bauüberwachungsphase bei der Abstimmung mit den ausführenden Firmen zum Tragen.
Wir sind überzeugt, dass in dieser Art der Planung ein großes Potenzial steckt und in der Zukunft die vorherrschende Planungsmethode sein wird.

Dipl.-Ing. Birger Golke
Inros Lackner AG, Rostock
www.inros-lackner.de



NCC Fassade

Luftaussaugung


NCC, Mainhall

Luftaussaugung


Luftaussaugung

Zentrale


Konferenzraum- Zentrale

Konferenzraum- Zentrale


NCC aus der Ferne

© C.A.T.S. Software GmbH