Dr.-Ing. Thomas Hartmann:
"Lüftung von Wohngebäuden nach DIN E 1946-6"
Exklusivbeitrag über den neuen Normentwurf

Im Dezember 2006 wurde der Normentwurf DIN E 1946-6 "Raumlufttechnik - Lüftung von Wohnungen; Allgemeine Anforderungen, Anforderungen zur Bemessung, Ausführung und Kennzeichnung, Übergabe/Übernahme (Abnahme) und Instandhaltung" veröffentlicht. Diese Norm - als Ersatz für DIN 1946-6 (Oktober 1998) und für DIN 18017-3 (August 1990) - beschreibt den Stand der Technik und ist von zentraler Bedeutung bei der Planung, der Ausführung und dem Betrieb von Lüftungsanlagen für Wohngebäude. Als Mitglied des Normenausschusses gibt unser Autor Einblick in die Neuerungen, die eine klarere Planungsvorgabe zum Ziel haben.

Anwendung und Struktur der Norm
DIN E 1946-6 gilt für die freie und für die ventilatorgestützte Lüftung von Wohnungen und gleichartig genutzten Raumgruppen (Nutzungseinheiten). Dazu werden die für die Planung und Ausführung von Einrichtungen zur freien Lüftung und von Lüftungsanlagen bzw. -geräten notwendigen Maßnahmen zur Bemessung, zur Auswahl der Bauteile und zur Ausführung unter Berücksichtigung bauphysikalischer, lüftungstechnischer, hygienisch/gesundheitlicher sowie energetischer Gesichtspunkte beschrieben. Die Norm regelt die Maßnahmen, die für die Inbetriebnahme und für die Erhaltung eines funktionalen, hygienischen und energetischen Betriebes notwendig sind. Für die Bezeichnung von Einrichtungen zur freien Lüftung und Lüftungsanlagen/-geräten wird ein Kennzeichnungsschema eingeführt.
Gegenüber DIN 1946-6:1998-10 ergeben sich folgende Änderungen:

1) Abstimmung mit derzeit vorhandenen europäischen Normen,
2) Definition und Beschreibung von 4 Lüftungsstufen,
3) Anpassung der notwendigen Außenluftvolumenströme für die Lüftungsstufen,
4) Neuer Abschnitt über die Auswahl von Lüftungssystemen, über Hygiene und über Energienutzung,
5) Aktualisierung der Berechnung des Außenluftvolumenstromes durch Infiltration auf Stand der Technik und
6) Anpassung der Abschnitte Auslegung, Betrieb mit Feuerstätten, Übergabe/Übernahme und Instandhaltung an Stand der Technik.
Gegenüber DIN 18017-3:1990-08 ergeben sich folgende Änderungen zur Angleichung an DIN 1946-6:
1) Anpassung der planmäßigen Außenluftvolumenströme an die 4 Lüftungsstufen,
2) Aktualisierung der Bewertung der Außenluftzuführung durch Infiltration und durch Außenluftdurchlässe sowie
3) Überarbeitung der Anforderungen an die Betriebsweise der Lüftungsgeräte.

Allgemeine Anforderungen
DIN E 1946-6 enthält eine Systematisierung der Wohnungslüftung nach dem Wirkprinzip der Konzepte. Die Beschreibung von Zuluftsystemen mit freier Abluftführung ist danach in den einschlägigen Normen in Deutschland gegenwärtig nicht vorgesehen.


Systematisierung der Wohnungslüftung nach Wirkprinzip

Die Planung von lüftungstechnischen Maßnahmen erfolgt entsprechend dem nachstehenden Ablaufschema.

Vorgehensweise zur Festlegung und Planung des Lüftungskonzepts
Die vier, in DIN E 1946-6 genannten Lüftungsstufen sind folgendermaßen definiert:
Lüftung zum Feuchteschutz:
Nutzerunabhängige Lüftung (Minimalbetrieb), die in Abhängigkeit vom Wärmeschutzniveau des Gebäudes unter üblichen Nutzungsbedingungen (Feuchtelasten, Raumtemperaturen) die Vermeidung von Schimmelpilz und Feuchteschäden im Gebäude zum Ziel hat
Mindestlüftung:
Nutzerunabhängige Lüftung, die unter üblichen Nutzungsbedingungen (Feuchte- und Schadstofflasten) Mindestanforderungen an die Raumluftqualität erfüllt
Grundlüftung:
Notwendige Lüftung zur Gewährleistung des Bautenschutzes sowie der hygienischen und gesundheitlichen Erfordernisse bei plangemäßer Nutzung einer Nutzungseinheit (Normalbetrieb)
Intensivlüftung:
Zeitweilig notwendige erhöhte Lüftung zum Abbau von Lastspitzen (Lastbetrieb)

Die Forderung nach einer nutzerunabhängigen Lüftung zum Feuchteschutz erschwert die Beschränkung der Wohnungslüftung auf reine Fugen- und Fensterlüftung ohne zusätzliche Lüftungsmaßnahmen insbesondere in dichten Gebäuden deutlich. Für Lüftungsanlagen ergibt sich aus der permanenten Mindestlüftung für die gesamte Wohnung, dass der zeitlich und/oder räumlich eingeschränkte Betrieb (z. B. Kopplung mit dem Lichtschalter, typisch für Einzelventilator-Abluftanlagen in innenliegenden Bädern nach DIN 18017-3) nur noch eingeschränkt zulässig sein wird.

Planungsgrundlage für die lüftungstechnischen Maßnahmen sind die für die Wohnungen bzw. Nutzungseinheiten festgelegten Gesamt-Außenluftvolumenströme:

mit

Gesamt-Außenluftvolumenstrom (in m3/h)

Luftvolumenstrom durch lüftungstechnische Maßnahmen
(frei oder ventilatorgestützt, in m3/h)

wirksamer Luftvolumenstrom durch Infiltration (in m3/h)
wirksamer Luftvolumenstrom durch aktives Fensteröffnen (in m3/h)


Gesamt-Außenluftvolumenströme für Nutzungseinheiten

Der Gesamt-Außenluftvolumenstrom ist abhängig von der Wohnungsgröße, der Lüftungsstufe und (für die Lüftung zum Feuchteschutz) vom vorhandenen Wärmeschutz.
Im Normentwurf werden die einzelnen Lüftungskomponenten den Lüftungssystemen zugeordnet und detaillierte Hinweise zu deren Bemessung gegeben.


Zuordnung der Lüftungskomponenten zu Lüftungssystemen

DIN E 1946-6 enthält weiterhin

  • Hinweise zu bauphysikalischen, hygienischen und energetischen Aspekten,
  • Anforderungen an Schall- und Brandschutz,
  • Festlegungen zum Betrieb von Feuerstätten und Lüftungsanlagen (Differenzierung nach gemeinsamen und wechselweisen Betrieb),
  • Definition eines Kennzeichnungsschlüssels für Lüftungskonzepte (mit Angabe zur hygienischen, energetischen und schalltechnischen Qualität),
  • Angaben zu Inbetriebnahme und Instandhaltung (u. a. durch Musterprotokolle) sowie
  • umfangreiche Beispielrechnungen

und bietet so eine umfassende normative Grundlage für Planung, Errichtung und Betrieb von Wohnungslüftungssystemen und wird zukünftig von zentraler Bedeutung für die Wohnungslüftung in Deutschland sein.

Mit dieser Überarbeitung soll es gelingen, Aspekte und Komponenten, die bisher nicht genügend Beachtung fanden, in einer klaren Planungsvorgabe genauer zu definieren.

Dr.-Ing. Thomas Hartmann
ITG Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden
Forschung und Anwendung GmbH
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